Steuererklärung als Student in Deutschland: So holst du dir dein Geld zurück (2026)
Neun von zehn Personen, die in Deutschland eine Steuererklärung einreichen, bekommen Geld zurück. Als Student oder Werkstudent hast du mit großer Wahrscheinlichkeit Anspruch auf eine Erstattung — aber nur, wenn du sie beantragst. Niemand schickt dir automatisch einen Scheck.
Dieser Leitfaden erklärt die zwei Wege, wie du Geld zurückbekommst: die vom Arbeitgeber einbehaltene Lohnsteuer aus deinem Werkstudentenjob zurückfordern und zukünftige Erstattungen durch einen Verlustvortrag aus Studienkosten sichern. Außerdem erfährst du, welches Tool du nutzen solltest, welche Unterlagen du brauchst und wie du auch mit begrenzten Deutschkenntnissen einreichen kannst.
Wenn du verstehen möchtest, wie das Werkstudentenprivileg funktioniert und warum so wenig von deinem Gehalt abgezogen wird, lies zuerst den Werkstudenten-Steuer-Leitfaden. Dieser Leitfaden behandelt den nächsten Schritt: das Geld zurückzuholen.
Zahlen Studenten in Deutschland überhaupt Einkommensteuer?
Die meisten Werkstudenten zahlen während des Jahres keine Einkommensteuer. Der Grundfreibetrag in Deutschland beträgt 2026 €12.348. Zusätzlich erhält jede:r Arbeitnehmer:in automatisch einen pauschalen Werbungskostenabzug von €1.230 pro Jahr. Damit liegt die effektive steuerfreie Grenze bei rund €13.578 im Jahr — oder etwa €1.131 brutto pro Monat.
Wer 20 Stunden pro Woche zu typischen Werkstudenten-Stundenlöhnen arbeitet, hat die meisten Monate keinen Steuereinbehalt beim Arbeitgeber.
Es gibt aber häufige Situationen, in denen im Laufe des Jahres doch Steuer einbehalten wird:
Du hast eine Stelle erst im Laufe des Jahres angetreten und der Arbeitgeber hat die Steuer monatlich berechnet, ohne zu wissen, dass dein Jahreslohn unter der Freigrenze liegt
Du hattest zwei Jobs gleichzeitig — der zweite Job landet in Steuerklasse VI, die einen höheren Einbehalt hat
Du hast in der vorlesungsfreien Zeit Vollzeit gearbeitet und dein monatliches Bruttogehalt hat vorübergehend den Monatsfreibetrag überschritten
Du hast den Job gewechselt und der neue Arbeitgeber kannte dein vorheriges Einkommen nicht
In all diesen Fällen hast du mehr Steuern gezahlt, als du schuldest. Mit einer Steuererklärung bekommst du die Differenz zurück.
Zwei Wege, wie Studenten Geld zurückbekommen
Es gibt zwei verschiedene Wege zu einer Steuererstattung als Student. Die meisten kennen nur einen.
Weg 1 — Einbehaltene Lohnsteuer zurückfordern: Dein Arbeitgeber hat im Laufe des Jahres Lohnsteuer von deinem Gehalt abgezogen, aber dein Jahreseinkommen lag unter dem Grundfreibetrag. Du bekommst den einbehaltenen Betrag erstattet.
Weg 2 — Verlustvortrag: Du hast gerade wenig oder kein Einkommen, entstehst aber erhebliche Studienkosten. Du reichst eine Steuererklärung ein, erklärst diese Kosten als Verlust, und das Finanzamt speichert diesen Verlust. Wenn du später ein richtiges Gehalt verdienst, mindert der gespeicherte Verlust dein zu versteuerndes Einkommen — und gibt dir einen Steuervorteil genau dann, wenn er am meisten wert ist.
Beide Wege können gleichzeitig gelten. Viele Werkstudenten nutzen beides in einer einzigen Erklärung.
Weg 1: Die einbehaltene Lohnsteuer zurückfordern
Wenn im Laufe des Jahres Einkommensteuer von deinem Werkstudenten-Gehalt abgezogen wurde, hast du in den meisten Fällen Anspruch auf eine vollständige Rückerstattung.
Der Grund: Dein Arbeitgeber berechnet die Lohnsteuer monatlich, basierend auf dem Monatseinkommen hochgerechnet auf das Jahr. Ein Monat mit €1.200 sieht hochgerechnet wie €14.400 aus — das liegt über der Freigrenze, also wird Steuer einbehalten. Wenn du aber nur acht Monate im Jahr gearbeitet hast, beträgt dein tatsächliches Jahreseinkommen €9.600 — weit unter dem Grundfreibetrag. Das Finanzamt erstattet den gesamten einbehaltenen Betrag, sobald du die Erklärung einreichst.
Sieh auf deiner Lohnsteuerbescheinigung nach, wie viel Lohnsteuer dein Arbeitgeber in deinem Namen abgeführt hat. Wenn dort ein Betrag über null steht, bringt eine Steuererklärung dir diesen Betrag fast sicher zurück.
Dieser Erstattungsweg gilt auch, wenn du bei einem zweiten Job in Steuerklasse VI eingestuft bist. Der höhere Einbehalt durch Steuerklasse VI wird korrigiert, wenn du beide Einkommensquellen gemeinsam erklärst.
Um dein Nettolohn zu berechnen und abzuschätzen, wie viel einbehalten wurde, nutze den Werkstudenten-Steuerrechner.
Weg 2: Studienkosten mit dem Verlustvortrag sichern
Auch wenn du kaum Einkommen hast und keine Steuern zahlst, lohnt es sich, während des Studiums eine Steuererklärung einzureichen.
Wenn deine Studienkosten dein Einkommen übersteigen, entsteht ein steuerlicher Verlust. Das Finanzamt speichert diesen Verlust als Verlustvortrag. Er mindert automatisch dein zu versteuerndes Einkommen in künftigen Jahren — das bedeutet weniger Steuern, wenn du wirklich gut verdienst.
Wie Verluste behandelt werden, hängt von deinem Abschlusstyp ab:
Abschlusstyp | Klassifizierung | Max. Abzug | Vortragsfähig? |
|---|---|---|---|
Erststudium (Bachelor, erste Berufsausbildung) | Sonderausgaben | €6.000 pro Jahr | Nein — nur im selben Steuerjahr nutzbar |
Zweitstudium (Master oder nach Ausbildung) | Werbungskosten | Unbegrenzt | Ja — unbegrenzt vortragsfähig |
Wenn du einen Master machst oder eine abgeschlossene Berufsausbildung hast, gelten deine Studienkosten als Werbungskosten. Diese Verluste werden unbegrenzt vorgetragen. Reiche jedes Jahr während des Studiums eine Erklärung ein — auch ohne Einkommen. Die Verluste summieren sich und zahlen sich erheblich aus, wenn dein erster richtiger Job beginnt.
Beim ersten Bachelor werden Verluste nicht vorgetragen. Du kannst aber trotzdem bis zu €6.000 Studienkosten pro Jahr von einem vorhandenen Einkommen abziehen.
Welche Studienkosten zählen?
Studien- und Semesterbeiträge
Fahrten zur Uni — €0,30 pro Kilometer, Hin- und Rückweg
Fachbücher, Lernmaterialien, Schreibwaren
Laptop, Tablet oder Computer (abzugsfähig, wenn fürs Studium genutzt)
Miete für eine Zweitwohnung am Studienort (in bestimmten Fällen)
Deutschkurskosten, wenn für Studium oder Beruf erforderlich
Kosten für ein Auslandssemester: Flüge, Gebühren, Unterkunft — wenn studienbezogen
Bewahre Belege für alles über einige hundert Euro auf. Bei Anschaffungen unter €800 netto ist keine Abschreibung auf mehrere Jahre notwendig — du setzt den vollen Betrag im Kaufjahr ab.
So gibst du die Erklärung ab: ELSTER vs. Steuer-Apps
Eine Steuererklärung einzureichen braucht keinen Steuerberater. Jede der folgenden Optionen funktioniert für eine Werkstudenten-Situation.
Tool | Sprache | Kosten | Optimal für |
|---|---|---|---|
ELSTER (offiziell) | Nur Deutsch | Kostenlos | Geduldige Nutzer:innen mit guten Deutschkenntnissen |
smartsteuer | Deutsch | Kostenlos für Studenten mit Verlustvortrag | Studenten, die Studienkosten geltend machen |
Taxfix | EN + DE | €39,90 pro Erklärung | Einfache Fälle, Englisch bevorzugt |
Wundertax | EN + DE | €34,90 pro Erklärung | Einfache Fälle, Englisch bevorzugt |
SteuerGo | DE + einfaches EN | €30 pro Erklärung | Etwas komplexere Situationen |
Wenn du vor allem einen Verlustvortrag aus Studienkosten geltend machen möchtest, ist smartsteuer für Studenten kostenlos, deren Studienkosten einen steuerlichen Verlust erzeugen — das trifft auf die Mehrheit der Studierenden in Deutschland zu. Die durchschnittliche Erstattung auf der Plattform beträgt €1.432, und die meisten Nutzer:innen schließen ihre Erklärung in unter 60 Minuten ab.
Steuererklärung mit smartsteuer einreichen
Wenn du eine englischsprachige Oberfläche bevorzugst, sind Taxfix und Wundertax solide Alternativen. Sie kosten €30–40, führen dich aber mit verständlichen Fragen durch das Formular und zeigen dir einen Live-Erstattungsbetrag, bevor du absendest.
ELSTER ist das offizielle Behördenportal — kostenlos, aber nur auf Deutsch und weniger geführt als die Apps.
Schritt für Schritt: Deine erste Steuererklärung als Student
Du brauchst keinen Steuerberater. So machst du es selbst.
Was du vor dem Start brauchst:
Deine Steuer-ID (11-stellige Nummer, die dir nach der Anmeldung zugeschickt wurde — oder abrufbar über finanzamt.de)
Deine Lohnsteuerbescheinigung für alle Jobs im Steuerjahr (dein Arbeitgeber schickt sie im Januar/Februar für das Vorjahr)
Bei Studienkosten: Belege oder Kontoauszüge für Studiengebühren, Bücher, Laptop, Fahrten und Sprachkurse
Schritt 1 — Wähle das Jahr, für das du einreichst. Freiwillige Erklärungen können bis zu 4 Jahre rückwirkend eingereicht werden. 2026 kannst du für 2022, 2023, 2024 und 2025 einreichen. Fang mit dem Jahr an, das den höchsten Steuereinbehalt oder die höchsten Studienkosten hatte.
Schritt 2 — Öffne dein Tool. Starte eine neue Erklärung, wähle das richtige Steuerjahr und beantworte die geführten Fragen.
Schritt 3 — Anlage N ausfüllen. Das ist das Formular für Arbeitseinkommen. Gib die Werte aus deiner Lohnsteuerbescheinigung ein: Bruttogehalt, einbehaltene Lohnsteuer und Rentenversicherungsbeiträge. Die meisten Apps machen das automatisch, wenn du die Bescheinigungsdaten eingibst.
Schritt 4 — Studienkosten angeben. Unter Werbungskosten oder Sonderausgaben gibst du deine Studiengebühren, Materialien, Fahrten und Anschaffungen ein. Das Tool zeigt dir, ob sie als Werbungskosten (vortragsfähig) oder Sonderausgaben (nicht vortragsfähig) gelten.
Schritt 5 — Den Live-Erstattungsbetrag prüfen. Jede App zeigt dir eine Schätzung vor der Abgabe. Wenn sie €0 oder unerwartet negativ ist, prüfe, ob du die einbehaltene Lohnsteuer aus der Bescheinigung eingegeben hast — nicht dein Bruttogehalt.
Schritt 6 — Elektronisch einreichen. Alle Apps übermitteln direkt ans Finanzamt über die ELSTER-Schnittstelle. Kein Papier nötig. Du erhältst sofort eine Bestätigungsnummer.
Mit smartsteuer starten — kostenlos für Studenten mit Verlustvortrag
Fristen und wie lange die Erstattung dauert
Einreichungszeitraum: Freiwillige Steuererklärungen — das sind fast alle Erklärungen von Studenten — haben ein 4-jähriges rückwirkendes Fenster. 2026 kannst du für 2022, 2023, 2024 und 2025 einreichen.
Bearbeitungszeit: Das Finanzamt bearbeitet eine freiwillige Erklärung in der Regel innerhalb von 8–12 Wochen. In Stoßzeiten von Februar bis April kann es etwas länger dauern.
Wohin geht die Erstattung? Auf das Konto, das du bei der Einreichung angibst. Eine deutsche IBAN ist am schnellsten. Nicht-deutsche IBANs werden akzeptiert, können aber zu Verzögerungen führen.
Feststellungsbescheid: Wenn du einen Verlustvortrag hast, schickt dir das Finanzamt einen separaten Feststellungsbescheid, der den gespeicherten Verlustbetrag bestätigt. Bewahre diesen Brief auf. Das Finanzamt wendet ihn automatisch in künftigen Jahren an — du musst nichts weiter tun.
Häufige Fehler und wann es sich nicht lohnt
Fehler, die Geld kosten:
Nur einmal einreichen und aufgeben. Im Master werden Verluste vorgetragen — reiche jedes Jahr ein, auch ohne Einkommen.
Bruttogehalt statt einbehaltener Lohnsteuer als Erstattungsquelle eingeben. Die Erstattung kommt aus der Lohnsteuer-Spalte der Bescheinigung.
Den Verlustvortrag übersehen. Die meisten Apps fragen explizit nach Studienkosten.
Die Lohnsteuerbescheinigung eines zweiten Jobs nicht angeben. Beide müssen deklariert werden.
Wann es sich möglicherweise nicht lohnt:
Du hast das ganze Jahr deutlich über dem Grundfreibetrag verdient, hast keine Studienkosten und dein Arbeitgeber hat den richtigen Betrag einbehalten.
Du bist im ersten Bachelorstudium, hast keine einbehaltene Steuer und dein Einkommen übersteigt deine Studienkosten.
Selbst in Grenzfällen dauert das Einreichen mit einem modernen Tool unter einer Stunde — und das schlechteste Ergebnis ist €0, keine Nachzahlung.
Fazit
Wenn von deinem Werkstudenten-Gehalt Steuer einbehalten wurde, bekommst du sie fast sicher zurück. Wenn deine Studienkosten dein Einkommen übersteigen, sichert eine Steuererklärung diesen Betrag als künftigen Steuervorteil — besonders wertvoll im Master, wo Verluste unbegrenzt vorgetragen werden.
Der häufigste Grund, warum Studierende dieses Geld verpassen, ist einfach nicht zu wissen, dass sie einreichen müssen. Das 4-Jahres-Fenster bedeutet, dass du aufholen kannst, auch wenn du seit deiner Ankunft in Deutschland noch keine Erklärung eingereicht hast.
Für deine genauen Netto-Zahlen nutze den Werkstudenten-Steuerrechner. Für die vollständige Erklärung des Werkstudentenprivilegs lies den Werkstudenten-Steuer-Leitfaden.
Dieser Leitfaden dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Steuerberatung dar. Bei komplexen Situationen — mehrere Einkommensquellen, Selbstständigkeit oder internationale Steuerabkommen — wende dich an einen qualifizierten Steuerberater.
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Häufig gestellte Fragen
Über den Autor

Dinh Minh (Minton) Vu
Dinh Minh Vu is a software engineer and CS master's student at the University of Passau. As an international student who navigated the German working student system himself, he built workingstudentjobs.de to help other international students find and land Working Student roles in Germany.
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