Zuletzt geprüft: Juni 2026. Regeln zur Gültigkeit von Führerscheinen, Versicherungsprämien und Kfz-Steuer ändern sich. Bestätige die aktuellen Regeln immer bei deiner örtlichen Fahrerlaubnisbehörde, der Zulassungsstelle und deinem Versicherer, bevor du dich darauf verlässt.
Wenn du mit einer Aufenthaltserlaubnis zum Studium (dem §16b) in Deutschland bist und dich fragst, ob du überhaupt ein Auto besitzen darfst, hier zuerst die kurze Antwort.
Ja. Dein Aufenthaltstitel schränkt den Kauf oder Besitz eines Autos nicht ein. Ein Auto in Deutschland zu kaufen ist ein privates Geschäft, und die Zulassung hängt an deiner gemeldeten Adresse, nicht an deiner Visumskategorie. Ein Tourist, ein Studierender mit §16b, ein Werkstudent und ein Daueraufenthaltsberechtigter haben alle das gleiche Recht, ein Auto auf ihren Namen anzumelden.
Die eigentliche Frage ist also nie „darf ich". Sie lautet „woran scheitert es in der Praxis". Bei internationalen Studierenden sind es drei Dinge: dein ausländischer Führerschein hat ein verstecktes Ablaufdatum, die Versicherung ist teuer, wenn du keine deutsche Historie hast, und du kannst das Auto erst zulassen, wenn deine Anmeldung erledigt ist. Dieser Leitfaden geht alle drei Punkte durch, plus was ein Auto wirklich im Vergleich zu einem typischen Werkstudentengehalt kostet.
Der Haken, vor dem dich niemand warnt: Dein Führerschein hat eine 6-Monats-Frist
Das überrascht die meisten Neuankömmlinge, also lies es, bevor du irgendetwas kaufst.
Wenn dein Führerschein aus einem EU/EWR-Land stammt, ist alles in Ordnung. Er bleibt in Deutschland gültig, bis er abläuft, und du kannst ihn jederzeit ohne Prüfung in einen deutschen umtauschen.
Wenn dein Führerschein von außerhalb der EU/des EWR stammt (Indien, Vietnam, China, Pakistan, Nigeria, der Großteil der Welt), ist er nur 6 Monate lang ab Begründung deines Wohnsitzes zum Fahren in Deutschland gültig, was in der Praxis ab deinem Anmeldedatum zählt. Nach diesen 6 Monaten gilt das Fahren damit als Fahren ohne Fahrerlaubnis, und das ist eine Straftat, kein Bußgeld.
Du kannst beantragen, die 6-Monats-Frist um bis zu weitere 6 Monate zu verlängern, aber nur, wenn du glaubhaft machen kannst, dass du deinen Hauptwohnsitz nicht länger als insgesamt 12 Monate in Deutschland hast. Ein Studierender im Studiengang kann das meist nicht, also läuft für die meisten von euch die Uhr wirklich.
Nach Ablauf der Frist musst du deinen Führerschein bei der Fahrerlaubnisbehörde umschreiben lassen. Ob du deutsche Prüfungen ablegen musst, hängt vollständig von deinem Herkunftsland ab, geregelt durch eine bundesweite Liste namens Anlage 11:
Länder mit voller Anerkennung (auf der Liste stehen u. a. die Schweiz, Japan, Südkorea, Singapur und einige US-Bundesstaaten): Umschreibung ohne Theorie- oder Praxisprüfung.
Alle anderen, einschließlich Indien, Vietnam, China und Pakistan: Du musst dich an einer deutschen Fahrschule anmelden und sowohl die Theorie- als auch die Praxisprüfung bestehen, genau wie ein Fahranfänger, bevor deine Umschreibung ausgestellt wird.
In Großstädten wie Berlin, München oder Frankfurt kann es 6 bis 10 Wochen dauern, einen Termin und Platz für die Umschreibung zu bekommen, und ein kompletter Fahrschuldurchlauf mit Prüfungen kann deutlich über 2.000 € kosten. Nichts davon hängt von §16b ab. Es hängt vom Herkunftsland deines Führerscheins ab.
Praktisches Fazit: Wenn du aus einem Land ohne Befreiung kommst und nur für einen 2-jährigen Master hier bist, kann der Autokauf bedeuten, dass du zusätzlich zum Auto auch noch einen kompletten deutschen Führerschein bezahlst. Plane das zuerst ein.
Die Zulassung braucht zuerst deine Anmeldung
Du kannst ein Auto nicht an einer deutschen Adresse zulassen, an der du nicht gemeldet bist. Die Zulassungsstelle will deine Meldebescheinigung oder Anmeldebestätigung, also ist auch das eine Sache, die ohne deine Adressregistrierung blockiert ist.
Wenn deine Anmeldung noch aussteht, kläre das zuerst. Siehe unseren Leitfaden zur Anmeldung in Deutschland dazu, wie du den Termin buchst, sowie die Stadtführer für Berlin und München.
Die Reihenfolge der Zulassung ist nicht offensichtlich, denn die Versicherung kommt vor der Zulassung, nicht danach:
Kaufe das Auto und erhalte die Fahrzeugpapiere (Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II).
Schließe mindestens eine Haftpflichtversicherung ab und hole dir eine eVB-Nummer (ein 7-stelliger elektronischer Versicherungsbestätigungscode) vom Versicherer.
Geh zur Zulassungsstelle mit deiner eVB-Nummer, Ausweis/Reisepass, Anmeldebestätigung, den Fahrzeugpapieren, einer TÜV/HU-Bescheinigung und einem SEPA-Mandat, damit das Finanzamt die Kfz-Steuer einziehen kann.
Lass deine Kennzeichen anfertigen und stempeln.
Du bezahlst also Versicherung für ein Auto, das du noch nicht legal fahren darfst. Das ist normal.
Die Versicherung ist der teure Teil, wenn du neu bist
Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist Pflicht und richtet sich vor allem nach deiner Schadenfreiheitsklasse (SF), deiner schadenfreien Historie. Je länger du ohne selbstverschuldeten Schaden gefahren bist, desto günstiger wird es.
Als Neuankömmling hast du keine deutsche SF-Historie, also startest du meist bei SF0 oder nah dran, der teuersten Stufe. Ein Fahrer mit jahrelanger Schadenfreiheit zahlt vielleicht rund 250 € im Jahr für die Haftpflicht, während ein Neuankömmling für dasselbe Auto leicht das Zwei- bis Dreifache zahlt. Manche Versicherer rechnen deine schadenfreien Jahre aus dem Ausland gar nicht an; einige tun es, wenn du eine Bescheinigung deines früheren Versicherers vorlegst, also lohnt sich das Nachfragen.
Zwei weitere Dinge solltest du wissen:
Manche deutschen Versicherer akzeptieren nur EU- oder deutsche Führerscheine. Es gibt auf Internationale spezialisierte Makler, die gezielt Neuankömmlinge betreuen, also vergleiche, statt anzunehmen, dass man dich abgelehnt hat.
Du wählst zwischen Haftpflicht (am günstigsten), Teilkasko und Vollkasko. Für ein günstiges altes Gebrauchtauto ist meist nur Haftpflicht oder Teilkasko sinnvoll.
Diese „noch keine Historie"-Strafe ist dasselbe Muster, das dir als Neuankömmling beim deutschen Banking und bei der Schufa begegnet. Wenn du den Hintergrund zum Aufbau einer deutschen Finanzhistorie willst, deckt unser Leitfaden zum besten Bankkonto für Werkstudenten das ab.
Was ein Auto wirklich kostet (im Vergleich zum Werkstudentengehalt)
Jetzt wird es konkret. Ein Auto in Deutschland zu besitzen ist nicht der Kaufpreis, sondern die monatlichen laufenden Kosten. Eine grobe Aufstellung für ein bescheidenes Gebrauchtauto:
Kosten | Typische Spanne |
|---|---|
Haftpflicht (Neuankömmling, SF0) | 40–80 € / Monat |
Kfz-Steuer | 7–20 € / Monat (Benzin 2 € pro 100 cm³, Diesel 9,50 € pro 100 cm³, plus CO₂) |
Kraftstoff | 80–150 € / Monat |
TÜV/HU-Untersuchung | ~160 € alle 2 Jahre (~7 € / Monat) |
Wartung, Reparaturen, Reifen | 50–100 € / Monat |
Parken (Anwohnerparkausweis, Stadt) | 3–30 € / Monat |
Wertverlust | variiert |
Realistisch gibt die Mehrheit der Studierenden mit Auto etwa 300 bis 450 € im Monat aus, wenn man alles zusammenrechnet. Allgemeine Schätzungen für normale Fahrer in Deutschland liegen zwischen 300 und 500 € im Monat.
Jetzt halte das gegen das Einkommen. Auf Basis der Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe in unserer Datenbank liegt der mittlere Werkstudentenlohn bei 17,00 €/Stunde, etwa 1.472 € brutto im Monat bei 20 Stunden pro Woche (siehe Werkstudentengehalt in Deutschland). Nach Rentenbeiträgen und etwas Lohnsteuer bleiben dir rund 1.250 bis 1.350 € netto, und du zahlst bereits etwa 122 bis 130 € im Monat für die studentische Krankenversicherung.
Das bedeutet, ein Auto kann ein Viertel bis ein Drittel deines gesamten Werkstudenten-Nettos verschlingen, bevor du Miete gezahlt hast. Für ein Studierendenbudget ist das die wichtigste Zahl in diesem Artikel.
Ein Gebrauchtauto kaufen, ohne abgezockt zu werden
Wenn ein Auto für dich trotzdem Sinn ergibt, kauf gebraucht und kauf vorsichtig. Neuankömmlinge sind ein bekanntes Ziel.
Wo: mobile.de und Kleinanzeigen sind die Hauptmarktplätze. Händler sind teurer, geben dir aber Gewährleistung und übernehmen den Papierkram; Privatverkäufe sind günstiger, aber „gekauft wie gesehen".
Vor dem Bezahlen prüfen: Frag nach dem aktuellen TÜV/HU-Bericht und seinem Ablaufdatum, dem echten Kilometerstand und beiden Teilen der Zulassungsbescheinigung (Teil I und Teil II) (Teil II, der alte Fahrzeugbrief, belegt das Eigentum; kauf nie ein Auto, dessen Verkäufer ihn nicht zeigen kann).
Nutze einen ordentlichen Vertrag: Der ADAC veröffentlicht eine kostenlose Standard-Kaufvertragsvorlage für Gebrauchtwagen. Nutze sie.
Warnsignale: jeder Verkäufer, der eine Anzahlung will, bevor du das Auto gesehen hast, „Ich bin im Ausland, ein Agent verschickt es"-Geschichten, Preise weit unter Markt oder Druck, schnell bar zu zahlen. Geh weg.
Plane einmalig ~100 € für eine Gebrauchtwagen-Untersuchung bei einer TÜV/Dekra-Station ein, wenn das Auto älter ist. Das ist günstige Absicherung gegen einen Fehlkauf.
Brauchst du überhaupt ein Auto?
Ehrlich gesagt brauchen die meisten internationalen Studierenden in deutschen Städten keines. Der öffentliche Nahverkehr ist wirklich gut, und das Deutschlandticket kostet 63 € im Monat (ab Januar 2026) für unbegrenzte Fahrten mit Regionalzügen, Straßenbahnen, Bussen und U-Bahn im ganzen Land. Bei 63 € gegenüber 300 €+ für ein Auto ist die Rechnung eindeutig.
Ein Auto lohnt sich, wenn:
Du in einer Kleinstadt, einem Dorf oder ländlich mit dünnem Nahverkehr wohnst.
Du eine Ausbildung machst oder einen Job mit Schichtzeiten hast, die der Nahverkehr nicht abdeckt.
Du eine Familie oder regelmäßige Fahrten hast, die ein Ticket nicht löst.
Wenn du ein typischer stadtbasierter Werkstudent bist, steck das Geld lieber in Miete, Ersparnisse oder deinen deutschen Führerschein. Wenn du wirklich außerhalb des Nahverkehrsnetzes bist, kann sich ein günstiges Gebrauchtauto lohnen, solange du die oben genannte Führerschein- und Versicherungsrealität eingeplant hast.
Kurzfassung
§16b erlaubt dir, ein Auto zu kaufen und zu besitzen. Das ist nie das Problem.
Dein Nicht-EU-Führerschein verfällt 6 Monate nach der Anmeldung. Inder, Vietnamesen und die meisten Angehörigen von Nicht-Befreiungsländern stehen dann vor einer kompletten deutschen Fahrschule mit Theorie- und Praxisprüfung.
Ohne Anmeldung kannst du nicht zulassen, und die Versicherung (mit eVB-Nummer) kommt vor der Zulassung.
Die Versicherung ist teuer, weil du noch keine deutsche schadenfreie Historie hast.
Die Gesamtkosten liegen bei etwa 300–450 € im Monat, ein Viertel bis ein Drittel eines typischen Werkstudenten-Nettos.
Ein Deutschlandticket für 63 € schlägt für die meisten Stadtstudierenden ein Auto.
Kläre zuerst deine Anmeldung und deine Werkstudenten-Visumsregeln, und entscheide dann, ob ein Auto überhaupt in dein Budget passt.
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Häufig gestellte Fragen
Über den Autor

Dinh Minh (Minton) Vu
Dinh Minh Vu is a software engineer and CS master's student at the University of Passau. As an international student who navigated the German working student system himself, he built workingstudentjobs.de to help other international students find and land Working Student roles in Germany.
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