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Leitfaden für Arbeitgeber

Praktikanten finden und rechtssicher einstellen

Zuletzt aktualisiert:

Praktikanten finden Sie über Hochschulen, Fachbereiche und studentische Jobbörsen, und die Ausschreibung folgt dem Semesterrhythmus. Rechtlich entscheidend ist eine einzige Frage: Ein Pflichtpraktikum laut Prüfungsordnung ist vom Mindestlohn und von Sozialabgaben befreit, ein freiwilliges Praktikum über drei Monate nicht. Die mittlere Vergütung im Markt liegt bei 1.500 Euro im Monat.

Pflichtpraktikum oder freiwilliges Praktikum

Diese Unterscheidung bestimmt Ihre gesamten Kosten und Pflichten. Klären Sie sie vor dem ersten Gespräch, nicht bei der Vertragsunterschrift. Die Hochschule bestätigt den Pflichtstatus mit einer Bescheinigung, die Sie zur Personalakte nehmen.

KriteriumPflichtpraktikumFreiwillig bis 3 MonateFreiwillig über 3 Monate
MindestlohnNein, auch unbezahlt zulässigNeinJa, 13,90 Euro pro Stunde
SozialversicherungBeitragsfrei für den vorgeschriebenen UmfangRegulär beitragspflichtigRegulär beitragspflichtig
NachweisBescheinigung der HochschuleImmatrikulationsbescheinigungImmatrikulationsbescheinigung
140-Tage-Grenze (Nicht-EU)Zählt nicht mitZählt mitZählt mit
Schriftlicher VertragPflicht nach § 11 BBiGPflicht nach § 11 BBiGPflicht nach § 11 BBiG

Stand 2026. Die Beitragsfreiheit des Pflichtpraktikums gilt nur für den von der Prüfungsordnung geforderten Umfang.

Die Drei-Monats-Grenze ist eine harte Kante

Dauert ein freiwilliges Praktikum länger als drei Monate, besteht der Mindestlohnanspruch für die gesamte Dauer, nicht erst ab dem vierten Monat. Planen Sie deshalb entweder klar unter drei Monaten oder von vornherein mit Vergütung.

Was Sie zahlen sollten

Am 22. September 2026 waren 10.494 Praktikumsstellen auf workingstudentjobs.de aktiv. Der Median der ausgewiesenen Monatsvergütungen liegt bei 1.500 Euro. Nur 11,8 Prozent der Anzeigen nennen überhaupt eine Zahl, weniger noch als bei Werkstudentenstellen.

Auch ein Pflichtpraktikum ohne gesetzliche Vergütungspflicht sollten Sie bezahlen. Unbezahlte Praktika bei gleichzeitig hohen Anforderungen filtern nicht nach Eignung, sondern nach Elternhaus, und sie verlieren gegen jede bezahlte Alternative am selben Standort. Eine Aufwandsentschädigung im Bereich von 800 bis 1.200 Euro reicht in vielen Fällen aus, um in der Auswahl überhaupt vorzukommen.

  • Unter 800 Euro im Monat erreichen Sie in Großstädten kaum noch Bewerbungen, weil die Warmmiete allein darüber liegt.
  • 1.500 Euro ist der Marktmedian und ein sicherer Standardwert für ein Vollzeitpraktikum.
  • Über 2.000 Euro zahlen vor allem Tech, Consulting und Automotive, dort gehört es zum Standard.

Wann Sie ausschreiben

Praktika folgen dem Semesterrhythmus, nicht dem Kalenderjahr. Das deutsche Sommersemester beginnt am 1. April, das Wintersemester am 1. Oktober. Pflichtpraktika liegen meist im Praxissemester, das von der Prüfungsordnung festgelegt ist, und werden drei bis sechs Monate im Voraus gesucht.

  1. 1

    Praktikumsstart im Sommersemester

    Ausschreiben zwischen November und Januar. Bewerbungen für ein Praxissemester ab April laufen im Winter.

  2. 2

    Praktikumsstart im Wintersemester

    Ausschreiben zwischen Mai und Juli. Wer erst im September sucht, konkurriert um die verbliebenen Kandidaten.

  3. 3

    Semesterferienpraktika

    Die vorlesungsfreie Zeit im Februar und März sowie von August bis September eignet sich für kurze, unter dreimonatige Einsätze.

Was in die Praktikumsanzeige gehört

  • Ob Pflichtpraktikum, freiwilliges Praktikum oder beides möglich ist. Das ist der erste Filter, den Studierende setzen.
  • Vergütung pro Monat in Euro, auch beim Pflichtpraktikum.
  • Dauer in Monaten und der früheste Starttermin.
  • Wochenstunden. Vollzeit bedeutet im Praxissemester in der Regel 37,5 bis 40 Stunden.
  • Sprachniveau als CEFR-Stufe. 91,6 Prozent der Praktikumsanzeigen verlangen Deutsch, wer davon abweicht, erreicht ein weitgehend unbearbeitetes Bewerberfeld.
  • Die konkreten Aufgaben im Projekt statt einer Liste von Soft Skills.
  • Ob eine Übernahme als Werkstudent im Anschluss möglich ist. Das ist für viele Studierende der eigentliche Grund für die Bewerbung.

Das Praktikum ist Ihr günstigster Recruiting-Kanal

Ein Praktikum, das in eine Werkstudentenstelle übergeht und später in den Berufseinstieg, ersetzt zwei vollständige Auswahlverfahren. Schreiben Sie diesen Weg in die Anzeige, statt ihn erst im Abschlussgespräch zu erwähnen.

Formale Pflichten des Arbeitgebers

  • Schriftlicher Praktikumsvertrag mit Lernzielen, Dauer, Arbeitszeit und Vergütung, nach § 11 Berufsbildungsgesetz.
  • Anmeldung zur Sozialversicherung bei jedem freiwilligen Praktikum, auch bei kurzer Dauer.
  • Arbeitszeiterfassung. Für Praktikanten gelten dieselben Dokumentationspflichten wie für alle Beschäftigten.
  • Urlaubsanspruch bei einem Praktikum von mehr als einem Monat, anteilig nach Bundesurlaubsgesetz.
  • Praktikumszeugnis zum Ende, ebenfalls nach § 16 BBiG.
  • Für Nicht-EU-Studierende: Prüfen Sie, ob das Praktikum auf die 140-Tage-Grenze angerechnet wird. Pflichtpraktika werden es nicht.

Praktikumsstelle ausschreiben

Veröffentlichen Sie Ihr Praktikum dort, wo Studierende gezielt nach Praxissemester und Pflichtpraktikum suchen.

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